Smartphone

Ob Smartphone, Notebook oder Tablet: Uns steht eine Vielzahl mobiler Endgeräte zur Verfügung. Mobil sind wir, da wir diese Geräte aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts immer bei uns tragen können. Als „Endgeräte“ zeichnen sie sich aus, weil sie an ein Kommunikationsnetz angeschlossen sind. Sie ermöglichen uns somit mobile Kommunikation und Information.

Wir sind mobil!

So können wir auch unterwegs unsere Termine verwalten, Texte verfassen, Tabellen erstellen, Internetshops durchstöbern oder uns einfach durch Multimedia- und Entertainmentfunktionen unterhalten lassen. Und wem das alles noch nicht reicht, der lädt sich noch ein paar Apps herunter, die beispielsweise die Preise in verschiedenen Supermärkten vergleichen, Restaurants empfehlen oder uns durch fremde Städte navigieren. „Ubiquitous Computing“ – allgegenwärtig wird gerechnet. Marc Weiser sah das schon 1991 in seinem Aufsatz „The Computer for the 21st Century“ voraus. Die Software für solche Geräte macht vieles leichter, oder sie macht einfach nur Spaß. Zumindest solange sie macht, was wir wollen und wir verstehen, was die Software macht. Auch die Software auf mobilen Endgeräten erfordert also eine gute Dokumentation, den Benutzern muss eine angemessene Hilfe zur Verfügung stehen.

Was ist Mobile Technische Dokumentation?

Der Begriff „Mobile Technische Dokumentation“ (MTD) muss sich nicht auf die Beschreibung der Komponenten des Geräts selbst beziehen, etwa auf die Software. Ein Tablet kann auch einfach das Medium zum Abrufen und Lesen eines PKW-Handbuchs sein. Das dicke Handbuch würde also nicht mehr zwei Drittel des Handschuhfachs ausfüllen, sondern als Datei mitgeliefert und wäre jederzeit mit Tablet, Smartphone oder dergleichen aus der mobilen Bibliothek abrufbar. So gibt es vom südkoreanischen Automobilhersteller Hyundai zum Kauf des neuen Luxusklassemodells Equus gleich ein iPad dazu, auf dem das Handbuch als App vorinstalliert ist. Zusätzliche Features sind hierbei Videos, interaktive 3D-Modelle, ein „Quick-Reference-Guide“ und die Möglichkeit, aus der App heraus Werkstatttermine zu vereinbaren.

Darf Mobile Technische Dokumentation das geschriebene Handbuch überhaupt ersetzen?

Muss es nicht weiterhin auch eine Printversion geben – rein rechtlich?

Hier ist die Rechtslage, wie Broda (2011) in ihrer Master-Thesis erläutert, noch nicht eindeutig. Klar ist, dass der Hersteller nach dem deutschen Produkthaftungsgesetz (ProdHafG) für Schäden durch fehlerhafte Produkte haftet. Einen Fehler hat ein Produkt dann, wenn es nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände erwartet werden kann. Zu den Fehlerkategorien gehören auch Instruktionsfehler, also falsche oder unterbliebene Instruktionen. Von zentraler Bedeutung ist jedoch, „[…] dass die Instruktionen nur dann zur Verhütung von Gefahren dienen können, wenn der Anwender Zugriff darauf hat“ (Broda 2011, S. 31). Wenn die Dokumentation nur online zur Verfügung steht, ist nicht gewährleistet, dass der Endverbraucher an die notwendige Information gelangt. Die Dokumentation muss also (auf Deutsch) mitgeliefert werden, so fordert es auch das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG). Die Form des Mitlieferns wird dabei nicht festgelegt, es könnte sich also auch um die elektronische Form einer Anleitung handeln. Nicht zulässig wäre es jedenfalls, wenn der Endverbraucher sich die Anleitung erst aus dem Internet herunterladen müsste. In der harmonisierten europäischen Norm DIN EN 12100:2 wird empfohlen, dass sicherheitsrelevante Informationen zusätzlich in gedruckter Form vorliegen sollten.

Hinsichtlich der aktuellen Rechtslage wäre zurzeit wohl der richtige Weg, zu überlegen, wie die Mobile Technische Dokumentation die konventionelle Dokumentation ergänzen und bereichern kann.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Rechtslage liefert Heuer (2011) in den Schriften zur Technischen Kommunikation.

Formate für die Mobile Technische Dokumentation

Als mögliche Formate nennt Broda (2011, S. 54) PDF, eBook, Website (HTML), Web-Anwendungen sowie proprietäre Applikationen (Apps). Da die Dokumentation zu Software (beispielsweise zu einer App für das Smartphone) beim Download mitgeliefert wird, wäre hierbei die Ersetzung der Printversion durch die Mobile Technische Dokumentation denkbar. Mobile Technische Dokumentation, die sich nicht direkt auf Komponenten des mobilen Endgeräts bezieht, kann jedoch aus den oben erläuterten rechtlichen Gründen ein gedrucktes Handbuch noch nicht ersetzen, wohl aber, wie alle anderen genannten Formate auch, ergänzen. Eine Bereicherung wären sie durch die Möglichkeit, ständig aktualisierte Versionen bereitzustellen, allemal.

Wie sollte Mobile Technische Dokumentation aussehen?

Wie die Dokumentation auf mobilen Endgeräten genau aussieht, ist nicht nur davon abhängig, was dokumentiert wird, sondern auch vom Lese-Medium. So erfordert ein kleines Display ebenso ein minimalistisches Interface-Design wie eine sprachlich reduzierte Hilfe. Ein anschauliches Beispiel zu reduziertem Interface-Design und Dokumentation liefert der Artikel „Minimizing Documentation“, die Zusammenfassung eines Vortrags von Grant Skousen (2009).

Aus der Kommunikationsforschung wissen wir, dass Anwender aufgrund der Displaygröße zu kleinen, fokussierten Aktionen neigen. Daher sollte sich die Hilfe dem Fokus der Anwender anpassen, sollte also kontextsensitiv sein. Auch Sonja Broda stellt fest, dass „Kontext-Sensitivität […] eine der Schlüsseltechnologien für ‚intelligente‘ mobile Systeme“ ist (Broda 2011, S. 18). Sie fasst den Begriff der Kontextsensitivität jedoch weiter, als wir ihn bisher aus der Softwaredokumentation kennen. Für Broda ist damit nicht unbedingt der unmittelbare Bezug zu dem gemeint, was dokumentiert wird, sondern auch der „reale“ Kontext. So sollten i. E. neben dem Produkt auch der Ort (Blickwinkel), die Anwender (Vorwissen), die konkrete Situation (Was muss getan werden? Wo hakt es?) und der soziale Kontext (Kultur, allein oder in der Gruppe) beachtet werden (vgl. ebda., S. 19). Wie dies im konkreten Fall umzusetzen ist, beispielsweise in der kontextsensitiven Hilfe zu einer Software, bleibt zu überlegen.

Was kann Mobile Technische Dokumentation noch?

Vielleicht sollten wir uns also von den bestehenden Konventionen lösen und offen für ganz neue Wege der Dokumentation sein. So kann ein Smartphone nicht nur „Lesegerät“ sein, sondern öffnet uns mit seinen (kontextsensitiven) Funktionen neue Herangehensweisen. Durch GPS „weiß“ es, wo sich der Leser befindet. Durch die Vertragsdaten kennt es seinen Besitzer, kann ihn gegebenenfalls einer bestimmten Zielgruppe zuordnen. Es kann den Strichcode eines Geräts lesen und die zugehörigen Informationen, beispielsweise das mobile Handbuch zu dem Gerät, aufrufen (vgl. Juhl, 2011).

Fazit

Die Hilfe passt sich also den Bedürfnissen der Benutzer von mobilen Endgeräten an: Sie wird handlicher und ermöglicht einen schnellen und einfachen Zugriff auf die gewünschte Information. Aus rechtlichen Gründen wird sie die Printversion zwar sobald noch nicht ersetzen, kann diese jedoch schon jetzt sinnvoll bereichern.

Literatur und Internetquellen

Broda, Sonja (2011): Mobile Technische Dokumentation. Studie zu Einsatzmöglichkeiten mobiler Endgeräte in der Technischen Dokumentation. Donau-Universität, Krems.

Heuer, Jens-Uwe (2011): Auswirkungen von neuen Medientechniken und -gewohnheiten auf Gesetzgebung und Rechtspflege. In: Schriften zur Technischen Kommunikation 15, S. 65ff.

Juhl, Dietrich (2011): Die Anleitung kommt aufs Tablet. In: Fachzeitschrift „technische kommunikation“, S. 19ff. Onlineversion: http://www.tekom.de/index_neu.jsp?url=/servlet/ControllerGUI?action=voll&id=3262 (Stand 07.11.2011, nur für tekom-Mitglieder)

Klare Texte + Bilder Gmbh (2011): Doku auf dem iPad … so?

Skousen, Grant (2009): Vortrag. Online-Version: http://idratherbewriting.com/2009/11/11/minimizing-documentation (Stand 07.11.2011)

Weiser, Marc (1991): The Computer for the 21st Century. In: Scientific American 265 , 3, 94 -104.

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